Mit dem Hund ins Restaurant – Wie klappt’s entspannt? 10. September 2018 Alltag mit Hund Erziehung

(c) Michaela Krenn

Mit dem Einzug eines neuen Familienmitgliedes bekommen viele alltägliche Dinge eine ganz neue Bedeutung. So auch der Restaurantbesuch, welcher erstmal mit viel Ungewohntem für den Hund verbunden ist: viele fremde Menschen auf engstem Raum, ein ständiges Kommen und Gehen, unglaublich tolle Gerüche und eine hohe Lärmkulisse erwarten den Neuankömmling. Und auch fremde Hunde können eine große Ablenkung darstellen. Wie ihr euren Ausflug ins Restaurant dennoch auch mit Hund genießen könnt, erklären wir euch nun Schritt für Schritt in diesem Artikel.

Moment mal, sind Hunde im Restaurant überhaupt erlaubt?

Für all jene, die sich nun fragen, ob der Hund überhaupt mit ins Restaurant darf, kommt nun erstmal die gute Nachricht: Ja, grundsätzlich sind Hunde in der Gastronomie erlaubt. Solange sie im Gastraum bleiben, ist es rechtlich gesehen erlaubt, den Hund dorthin mit zu nehmen. In Bereichen, wo mit Lebensmitteln gearbeitet wird, ist dies verständlicherweise untersagt.

Dennoch sollte man sich vor einem Restaurantbesuch immer vergewissern, dass Hunde in dem ausgewählten Restaurant nicht nur “gestattet” werden, sondern im besten Fall gern gesehen sind. Denn in einer hundefreundlichen Gastronomie werden auch andere Gäste mit hoher Wahrscheinlichkeit freundlich und respektvoll auf den Vierbeiner reagieren. Wenn sich der Hund dann auch noch vorbildlich verhält, darf man sicherlich gerne wieder kommen. 

Die Vorbereitung beginnt zu Hause

Das klingt nun erstmal banal, ist aber so. Bevor man den Hund direkt in der neuen Situation (in diesem Fall: im Restaurant) mit zig Kommandos konfrontiert, sollte man das erwünschte Verhalten stattdessen in gewohnter Umgebung, bei möglichst wenig Ablenkung, üben. So klappt’s dann garantiert auch unter größerer Ablenkung.

Der Hund sollte also z.B. gelernt haben, sich auf Kommando hin zu legen und abzuwarten (also quasi Platz + Bleib). Besonders empfehlenswert ist es, dieses Kommando mit Hilfe einer bestimmten Reisedecke zu verknüpfen, die dann eben immer unterwegs „eingesetzt“ wird. Lerneffekt für den Hund sollte am Ende also sein: „Immer wenn ich das Kommando „Decke“ bekomme, lege ich mich genau auf diese ab und es passiert erstmal nicht viel.“

In der Hundeausbildung gibt es nie den einen Weg, welcher für absolut jeden Hund und Halter funktioniert. Die nachfolgenden Tipps sind vor allem für Welpen und Junghunde geeignet, welche an die neue Situation im Restaurant langsam herangeführt werden sollen. Sie sind hingegen NICHT geeignet für Hunde, welche große Unsicherheiten oder Aggressionen gegenüber Artgenossen/Menschen mit sich bringen. In diesem Fall raten wir euch, einen Hundetrainer aufzusuchen, welcher euch auf lange Sicht hin zu einem entspannten Miteinander verhelfen kann.

Schritt für Schritt zum perfekten Restaurantbegleiter: so geht’s!

Auch wenn es anfangs etwas mühsam sein kann, mit Konsequenz und positiver Bestätigung zur richtigen Zeit könnt ihr euren Welpen problemlos innerhalb weniger Trainingseinheiten an den Besuch in eurem Lieblingsrestaurant gewöhnen.

Zur besseren Übersicht haben wir nun nachfolgend die einzelnen Trainingsschritte für euch zusammengefasst. Die ersten Übungen finden zu Hause statt. Mit fortschreitendem Trainingserfolg kann man diese Übung auf jede neue, ungewohnte Situation im Alltag übertragen. (z.B. in der Bahn, bei Familienfeiern, an der Uni, bei Seminaren, auf Hundeevents, uvm. …)

  • Man benötigt lediglich eine Decke oder ein Hundekissen, welches für unterwegs geeignet ist und sich leicht und schnell transportieren lässt.
  • Zur positiven Bestätigung eignen sich jegliche Leckerlis, hauptsache dem Hund schmeckt’s. 😉 Selbstverständlich kann diese Übung auch mit dem Clicker trainiert werden, wenn der Hund bereits damit vertraut ist.

Besonders in Situationen, in denen viel Neues und Aufregendes passiert, hilft es dem Hund, sich auf etwas “Bekanntes” (ähnlich einem Ritual) sowie auf den Halter verlassen zu können. In diesem Fall eben auf das im Vorfeld etablierte Kommando “Decke”, wo der Hund gelernt hat, sich auf einen ihm zugewiesenen Platz hin zu legen und so lange zu bleiben, bis das Kommando vom Halter wieder “aufgelöst” wird. 

Trainingsaufbau:

Schritt 1:

  • Man führt den Hund mit Hilfe eines Leckerlis auf seine Decke in die Platz-Haltung, gibt ihm ein beliebiges Kommando wie z.B. „Decke“ oder „Leg dich“ und bestätigt ihn direkt dafür.

Schritt 2:

  • Man wartet einige Sekunden ab und bestätigt ihn erneut für das kurze Bleiben auf seinem Platz. Damit dies am Anfang vor allem bei jungen Hunden wirklich klappt, sollte man am besten direkt vor der Decke stehen bleiben.

Schritt 3:

  • Mit einem „Ok“ kann man das Kommando dann z.B. auflösen. Man ruft den Hund zu sich und lobt ihn erneut.

(c) Michaela Krenn
Weiterführende Trainingschritte:
Funktionieren die ersten drei Schritte des Trainingsaufbaus gut, kann man die Schwierigkeit der Übung erhöhen.

  • Die ersten drei Schritte wiederholt man einige Tage, um das Kommando und den Ablauf zu festigen.
  • Nun soll der Hund lernen, von sich aus beim Kommando „Decke“ auf diese zu gehen und sich abzulegen. Für den Anfang reicht es schon, wenn man z.B. nur einen halben Meter von der Decke entfernt mit seinem Hund steht und ihm das Kommando gibt. Die Distanz kann man später immer noch erhöhen. Auch diesen Trainingsschritt wiederholt man einige Tage lang unter geringer Ablenkung. Klappt es einmal nicht auf Anhieb, geht man einfach wieder einen Schritt zurück, führt den Hund also wieder auf die Decke und lobt ihn dafür.
  • Wenn der Hund bereits zuverlässig mit Kommando auf die Decke geht, kann man nun die Verweildauer auf der Decke erhöhen. Das heißt: man verlangt nun vom Hund, dass dieser einige Minuten auf der Decke bleibt, bis das „Ok“ folgt. Hierbei kommt es sicherlich ab und zu vor, dass der Hund nach der gewohnten Wartezeit aufsteht. („War ja schließlich immer so.“ 😉 ) In diesem Fall führt man ihn einfach kommentarlos auf seine Decke zurück und gibt ihm erneut das Kommando „Decke“. Wichtig ist, dass man hier die Dauer des Bleibens stets variiert.
  • Wenn dann all diese Dinge gut funktionieren, erhöht man letztlich „nur“ noch die Ablenkung.

Ist das nicht etwas viel verlangt?

Wenn nun jemand denkt, dass das gerade für einen jungen Hund doch wahnsinnig anstrengend ist auf Dauer, dann können wir euch beruhigen. Denn im Endeffekt sorgt man mit Hilfe dieses Trainings bloß dafür, dass die Erwartungshaltung des Hundes auf das Niedrigste gesenkt wird, weil eben nie etwas Aufregendes passiert,  wenn der Hund dieses Kommando bekommt.

Nimmt man also besagte Decke mit ins Restaurant und gibt dem Hund das etablierte Kommando, wird er sich zwar natürlich auch ein wenig umsehen und vielleicht auch das ein oder andere Mal versuchen aufzustehen, da die Ablenkung in der Umgebung höher ist als zu Hause. Doch wenn man ihn dann in diesem Moment konsequent und völlig unaufgeregt wieder zurück auf seinen Platz schickt und ihn dafür bestätigt, wird er wahnsinnig schnell lernen, dass das Kommando “Decke” eben auch dann gilt, wenn etwas mehr los ist. Es gilt also auch hier, wie so oft in der Hundeerziehung: mit Ruhe,  Konsequenz und Bestätigung zur richtigen Zeit klappt alles. So wird der Hund in jedem Fall um einiges schneller lernen abzuschalten und zur Ruhe zu kommen, da er genau das mit der Decke bereits verknüpft hat.

Hinzu kommt, dass man auch sehr genau auswählen kann, in welche Restaurants man den jungen Hund zu Beginn mitnimmt, also kann man für den Anfang auch gerne eine etwas ruhigere Location auswählen. Nachfolgend haben wir nochmal alles Wichtige für euch zusammengefasst, damit ihr am Tag eures Restaurantbesuchs nichts vergesst.

Das solltet ihr beachten!

  • Unternehmt unbedingt noch einen Spaziergang vor eurem Restaurantbesuch, damit sich gerade sehr aktive, junge Hunde nochmal ordentlich auspowern können. 
  • Nehmt eine kleine, praktische Reisedecke mit, wir persönlich können euch z.B. diese hier empfehlen. 
  • Auch ein Kauartikel kann helfen, gerade junge Hunde am Anfang von all dem Trubel abzulenken!
  • Achtet auf die Wahl des Restaurants und vor allem auch auf die Platzierung im Lokal. Es empfiehlt sich, mit dem Hund etwas abseits vom Geschehen zu sitzen, damit dieser nicht ständig vom Kommen und Gehen der fremden Menschen abgelenkt wird.
  • Haltet die Dauer eures Restaurantbesuchs die ersten Male lieber kurz oder trefft euch doch für den Anfang nur auf Kuchen und Kaffee.
  • Loben nicht vergessen! Oftmals ist man so davon begeistert, dass der Hund brav auf der Decke liegt und sich nicht weiter bemerkbar macht, dass man völlig darauf vergisst, ihn dafür auch zu bestätigen. Ein kleines Leckerli ab und an oder auch verbales Lob reicht völlig.
  • Umso entspannter ihr seid, umso mehr Sicherheit gebt ihr eurem Hund. Und jetzt mal unter uns gesagt – es gibt auch keinen Grund, wegen einem Restaurantbesuch aufgeregt zu sein. Habt ein wenig Vertrauen in euren Hund! 

(c) Michaela Krenn

Das wird schon, keine Sorge!

Der Trainingserfolg ist natürlich auch sehr stark abhängig vom Charakter und der Lernbereitschaft eures Hundes. So kann letztlich auch nur der Hundehalter selbst einschätzen, was er seinem Hund zu welchem Zeitpunkt zumuten kann, bzw. möchte.

Es mag auch Welpen geben, welche man ohne große Vorbereitung einfach mit ins Restaurant nimmt und diese legen sich einfach so – ohne Übung – überall direkt hin und verschlafen einfach alles. Mein eigener Hund Poul war zum Beispiel von Beginn an „der Typ Hund“, der überall auch unter hoher Ablenkung sehr schnell entspannen konnte. Dennoch hätte es ihm sicher nicht geschadet, hätte man dies an ein Kommando “geknüpft”.

Im Großen und Ganzen sei gesagt: unabhängig davon, wie viele Trainingseinheiten es letztlich benötigt, bis man den Hund bedenkenlos mit ins Restaurant oder Café mitnehmen kann…  Am Ende zählt doch nur, dass er eben mit dabei sein kann und nicht alleine zu Hause bleiben muss. Oder nicht? 😉


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Michaela Krenn
Über den Autor Michaela Krenn

Michaela ist von ganzem Herzen Hundefotografin und sorgt dafür, dass unser Magazin immer mit tollen Inhalten und Bildern gefüllt ist. So schreibt sie gerne über verschiedenste Themen aus der Hundewelt und kümmert sich um unsere Social Media-Auftritte. Immer mit dabei: ihr Labrador Poul. Gemeinsam sind sie fester Bestandteil des isle of dogs-Teams und immer für neue Ideen parat.

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