Hund im Büro: ist das wirklich eine gute Idee? 1. September 2018 Alltag mit Hund

Eins Vorweg: wir wollen auf keinen Fall madig machen, was für viele Arbeitnehmer, beziehungsweise Hundebesitzer, der absolute Traum ist. Neben unserer Redaktionshündin Juma statten uns in regelmäßigen Abständen auch Jumas Hundefreunde Poul, Jule und Ivy einen Besuch ab. Ihr seht also: wir teilen unsere Büroräumlichkeiten gerne mit unseren Vierbeinern und wissen diese Möglichkeit sehr zu schätzen. Doch nicht nur, weil sie uns tagtäglich mit ihrer guten Laune anstecken, sondern eben auch, weil man als Vollzeit-Berufstätiger darauf angewiesen ist, seinen Hund entweder zu Hause gut versorgt zu wissen oder eben mit zur Arbeit zur bringen. 

Da nimmt man natürlich auch gerne in Kauf, dass man die Stunde Mittagspause mit dem Hund verbringt, das eigene Mittagessen oftmals in Eile isst oder gar ausfallen lässt. Wenn man mit seinem Hund dann noch mit den öffentlichen Verkehrsmitteln zur Arbeit unterwegs ist, ist auch dies ab und an eine kleine Herausforderung, die nicht nur viel Zeit, sondern einem auch schon mal ein paar Nerven kosten kann. 

So haben wir uns also die Frage gestellt: Ist es denn wirklich so eine gute Idee, seinen Hund mit zur Arbeit zu bringen?

Der Bundesverband für Bürohunde ist sich seiner Sache sicher.

Mithilfe der vermehrten Eingliederung von Hunden im Büro möchte der Bundesverband vor allem schwerwiegenden, psychischen Erkrankungen im Arbeitsleben entgegenwirken. Daher setzt sich der Verein nicht nur für Hundebesitzer, sondern gleichermaßen im Interesse der Unternehmen und Hunde ein, um für alle Beteiligten ein angenehmes Arbeitsumfeld zu schaffen und positive Effekte zu erzielen.

″Wir glauben daran, dass man in unserer Arbeitswelt anders und neu denken muss. Der Mensch sichert den Unternehmenserfolg und muss im Zentrum stehen. Arbeitsbedingter chronischer Stress, psychische Erkrankungen und Burnout müssen entschlossen bekämpft werden. Unser Weg dabei ist die ehrenamtliche Arbeit für eine vereinfachte Zulassung von Hunden im Büro. Ein Hund im Büro lässt Mitarbeiter, Unternehmen und Hunde gesünder sein.″
Bundesverband Bürohund e.V.

Was sagt die Wissenschaft zum Bürohund?

Fakt ist: Hunde wirken sich, wie bereits durch wissenschaftliche Studien bestätigt wurde, positiv auf das Wohlbefinden der Menschen aus. Hauptsächlich verantwortlich ist dafür das Hormon Oxytocin, das sogenannte „Anti-Stress-Hormon/Kuschelhormon“, welches durch das Streicheln eines Hundes im Körper des Menschen sowie des Hundes produziert wird. Dr. Linda Handlin, von der Swedish University of Agricultural Sciences, untersuchte den Oxytocinausstoß bei Mensch-Mensch Beziehungen und Mensch-Hund Beziehungen und konnte dadurch nachweisen, dass sich die Mensch-Hund-Interaktion bedeutend positiv auf die Gesundheit auswirkt. Oxytocin senkt die Stresshormone Insulin und Cortisol und regt gleichzeitig die Produktion des Glückshormons Dopamin an. Ebenso nachgewiesen werden konnten ein niedriger Blutdruck, geringere Triglyzeridwerte sowie geringere Cholesterinwerte. (L Handlin,  Seite 25 ff)

Wir halten fest: das Ausmaß der „Wirkung“ ist natürlich gerade im Fall von Hund und Halter zusätzlich von einer engen Beziehung und Bindung geprägt, dennoch wirken sich Hunde allgemein auf Menschen positiv auf deren Wohlbefinden auf und können so auch dem ein oder anderen Nicht-Hundehalter im Büro ein Lächeln ins Gesicht zaubern. 😉

Die Vorteile im Überblick:
Die Vorteile beschränken sich nicht auf die des Arbeitnehmers. Auch die Unternehmen und natürlich die Hunde selbst profitieren davon.

  • Weniger Stress, erhöhte Dopaminausschüttung durch das Streicheln des Hundes (senkt außerdem den Blutdruck)
  • Mehr Bewegung und frische Luft in der Mittagspause sowie kurze „Verschnaufpausen“ während der Arbeitszeit
  • Hunde stärken das Gemeinschaftsgefühl und sorgen für Gesprächsstoff: das Arbeitsklima kann dadurch deutlich verbessert werden, neue Kontakte werden geknüpft, gemeinsame Gesprächsthemen werden geschaffen
  • Unternehmen werden für Arbeitnehmer attraktiver, Arbeitnehmer bringen im Gegenzug eine erhöhte Loyalität und erhöhte Motivation mit
  • Kein stundenlanges Alleinebleiben für den Hund, keine erhöhten Betreuungskosten durch Dritte. Der Vierbeiner ist immer mit dabei und kommt im Büro sicher auf seine Kosten, denn der ein oder andere Mitarbeiter hat doch immer ein Leckerli parat. 😉

Bürohund schön und gut: Wo ist der „Haken“?

Wie bereits erwähnt ist es nicht nur schön, seinen Hund mit zur Arbeit nehmen zu können, sondern wirkt sich sogar positiv auf unsere Gesundheit aus. Dennoch sollte man sich selbst ein paar Dinge fragen, bevor man beschließt, seinen Hund mit ins Büro nehmen zu wollen. Denn es gibt eben trotz all der Vorteile auch ein paar negative Aspekte am „Bürohund“, welche nicht unerwähnt bleiben sollten.

Vorab sollte immer die Frage im Raum stehen: Ist mein Hund überhaupt für den Büroalltag gemacht?

Klar, es gibt kleine Unternehmen, evtl. hat man sogar ein eigenes Büro, wo man den Hund problemlos in seinen Job integrieren kann. Doch dies ist nicht immer der Fall und vor allem sollte auch der Fall eines Jobwechsels bedacht werden. Denn letztlich trägt man für seinen Hund im besten Fall eben 10-15 Jahre die Verantwortung und in dieser Zeit kann sich sowohl beruflich, wie auch privat einiges verändern.

Unabhängig von dem Arbeitsumfeld ist auch nicht jeder Hund „bürotauglich“. Dies ist natürlich keine Frage der Rasse, doch vielmehr der Haltung, des Wesens und der Erziehung des Hundes. Sehr unsichere Hunde werden beispielsweise eine sehr lange Zeit der Eingewöhnung brauchen und können bei Veränderungen der Umgebung auch schnell mal gestresst sein. Dies ist keinesfalls zu unterschätzen.

Die Nachteile im Überblick:

  • Nicht jeder Kollege wird den Hund so schätzen, wie man selbst. Manche haben schlichtweg nichts übrig für den Vierbeiner. Hier sorgt der Hund dann auch schnell für negativen Gesprächsstoff und kann leider auch vermehrt zu Problemen/Diskussionen innerhalb des Kollegiums führen.
  • Auch die Ängste und Sorgen anderer Mitarbeiter sollte man nicht unterschätzen. Auch wenn sich der ein oder andere Kollege durch den Bürohund dem Thema vielleicht etwas annähern kann, gibt es nun mal auch Menschen, die unseren Hunden mit großem Respekt gegenüber treten. Auch Allergien sind nicht zu unterschätzen und sollten in jedem Fall respektiert werden.
  • Der hohe Organisationsaufwand ist manchmal erdrückend, die Verantwortung groß. Es ist zwar schön, dass der Hund einen den kompletten Tag lang begleiten darf, doch plant man seinen Alltag demnach auch „rund um den Hund“ und so bedeutet dies auch oftmals viel Stress und Zeitdruck für Mensch und Hund.
  • Wenn die kälteren Jahreszeiten näher rücken, hat man leider vermehrt Schmutz im Büro. Und auch der „berühmt berüchtigte“ nasse Hund ist kaum umgehbar. Denn nach einem Regenspaziergang ist der Hund nun mal nicht auf Anhieb wieder trocken. Und auch vor den schlammigen Feldern oder Pfützen wird der Hund nicht Halt machen, nur weil Frauchen nachher wieder zurück ins Büro muss. Kurzum: eine gute Ausstattung an Hundehandtüchern oder auch ein praktisches Dryup Cape ist unabdingbar.

Unser Fazit?

Wir sind eben Hundeliebhaber. So freuen wir uns selbstverständlich über jeden Vierbeiner bei uns im Büro. Und wenn dies dann auch noch einen positiven Effekt auf unsere Gesundheit hat: umso besser! Möchte man den Hund jedoch hauptsächlich im Büro „einsetzen“, um langfristig gesehen schweren, psychischen Erkrankungen entgegen zu wirken, sollte man sich darüber im Klaren sein, welch große Verantwortung man damit diesem Lebewesen „überträgt“.

Denn letztlich nimmt ein Hund zwar großen Einfluss auf das Wohlbefinden der Menschen, doch um eine langjährige Erkrankung zu heilen, ist die Lösung „Bürohund“ unserem Empfinden nach etwas zu groß gedacht. Allgemein betrachtet ist es aber ein Privileg seinen Hund mit zur Arbeit nehmen zu können, welches man wirklich zu schätzen wissen sollte. Und zumindest wir hier würden Juma & Co nicht missen wollen.

Michaela Krenn
Über den Autor Michaela Krenn

Michaela ist von ganzem Herzen Hundefotografin und sorgt dafür, dass unser Magazin immer mit tollen Inhalten und Bildern gefüllt ist. So schreibt sie gerne über verschiedenste Themen aus der Hundewelt und kümmert sich um unsere Social Media-Auftritte. Immer mit dabei: ihr Labrador Poul. Gemeinsam sind sie fester Bestandteil des isle of dogs-Teams und immer für neue Ideen parat.

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