Auswandern mit Hund: Ein Erfahrungsbericht 10. Juli 2018 Leben mit Hund Reisen mit Hund

Wer schon mal mit dem Hund in den Urlaub gefahren ist, weiß, wie viel Vorbereitungen dazu gehören: Was isst der Hund, solange man im Urlaub ist? (BARF wie Babynahrung einkochen ist bei manch Hundefreunden wohl sehr angesagt) Nehme ich nur eine Decke zum Schlafen mit, oder doch das ganze Bett? Wie viele Handtücher brauchen wir, und – ohje – kann man dort waschen?! Wenn der Urlaub dann auch noch ins Ausland geht, bekommt der Hundebesitzer oft schwitzige Hände, denn jedes Land hat eigene Einreisebestimmungen, die eingehalten werden müssen.

Einen Schritt weiter geht das Ganze beim Plan „Auswandern mit Hund“. Was hierbei genau zu beachten ist, welche Hürden auf euch zukommen können und wie ihr einen solch großen Schritt meistern könnt, verraten wir euch in unserem “Abenteuer England – Auswandern mit Hund: Ein Erfahrungsbericht.“

Einreisebestimmungen

Vorab: Bei den Einreisebestimmungen unterscheidet sich nicht viel zum Urlaub im Ausland. Die aktuellen Einreisebestimmungen findet ihr im Internet auf der jeweiligen Webseite eures Reiseziels (bei uns war das die Britische Regierungswebseite) und bei einem Tierarzt. Ich schreibe extra nicht “beim Tierarzt eures Vertrauens”, da eine zweite Meinung eines anderen Arztes euch einiges an Stress und Enttäuschungen ersparen kann. Better safe, than sorry! Fragt bei verschiedenen Ärzten, ob sie die aktuellen Einreisebestimmungen eures Urlaubsziel kennen, welche Impfungen und Behandlungen notwendig sind und ob euer Heimtierpass auf dem neuesten Stand ist.

Wie so oft im Leben, gilt gerade beim Auswandern: Gut geplant ist halb erledigt.

Deshalb: Plant euch genügend Zeit ein! Rennt nicht erst ein paar Tage vor der Abreise zum Tierarzt und überlegt auch nicht erst zwei Wochen vorher, wo denn eigentlich dieser blaue Impfpass von eurem Vierbeiner ist und ob dort alles aufgefrischt ist. Bedenkt, dass bei manchen Ländern, wie z.B. auch beim Auswanderungsziel England, mindestens zwei Tierarztbesuche auf euch zu kommen, da eine Wurmkur mindestens 1 – 5 Tage vor der Einreise vom Tierarzt durchgeführt und im Reisedokument des Hundes unter “Behandlung gegen Echinococcus” eingetragen werden muss. Wir empfehlen auch, dass ihr für den Termin, an dem die Bandwurmbehandlung stattfindet, ein Dokument vorbereitet und ausdruckt, das in der jeweiligen Landessprache kurz erklärt, dass die Bandwurmkur an diesem Tag (mit Datum!) durchgeführt wurde. Das könnt ihr euch dann vom Tierarzt unterschreiben lassen.

Impfungen & Co.
Grundsätzlich sollten alle Impfungen, die in Deutschland empfohlen werden, aufgefrischt und auf dem aktuellen Stand sein. Das erkennt ihr am Gültigkeitsdatum, welches im Heimtierausweis bei der jeweiligen Impfung angegeben sein sollte. Solltet ihr wie wir zu der Sorte Hundehalter gehören, die nur das aller Nötigste impfen oder nur entwurmen, wenn zuvor ein Test gemacht wurde, koennte nun der Zeitpukt gekommen sein, bei dem das Flauschekind mehr als eine Nadel und womöglich mehr als nur eine Tablette ertragen muss.

Für England gilt:

  • Bandwurmkur: 1-5 Tage vor Einreise
  • Tollwutimpfung: muss mindestens 21 Tage vor dem Antritt der Reise erfolgen

Ein Bluttest sowie eine Zeckenkur sind bei der Einreise aus EU-Ländern aktuell nicht mehr notwendig. Dadurch reduziert sich die Vorbereitungszeit für eine Reise bzw. das Auswandern mit Hund von 6 Monaten (Zeit zwischen Bluttest und erlaubter Einreise ins Land) auf lediglich 21 Tage.

Heimtierausweis
Ganz wichtig und unerlässlich wie euer eigener Reisepass oder Personalausweis ist der Heimtierausweis eures Vierbeiners.

Dieser muss folgendes enthalten:

  • Besitzerdetails
  • wann der Ausweis ausgestellt wurde
  • Beschreibung des Tieres (wir haben auch ein Foto im Pass)
  • Mikrochipnummer
  • ausgewiesene Impfungen gegen Tollwut (+ ggf. weitere Impfungen)
  • ausgewiesene Bandwurmbehandlungen

Verbotene Rassen
In manchen Ländern gibt es Hunderassen, die dort verboten sind. Auch hier gilt es weit vor euren konkreten Planungen sich zu informieren, ob eure Hunderasse im jeweiligen Zielland überhaupt erlaubt ist. In Großbritannien gibt es z.B. nur sehr wenige Rassen, die dort verboten sind. Aktuell sind das in England Pitbull Terrier, Japanese Tosa, Dogo Argentino und Fila Brazilier.

 

Besonderheit: Welpen

  • Welpen dürfen seit Anfang 2015 auch nur noch mit einer gültigen Tollwutimpfung reisen. Aus den Vorgaben für das Mindestalter (12 Wochen) und der Wartezeit nach dem Impfschutz (21 Tage) bedeutet dies, dass Welpen frühestens im Alter von 15 Wochen mitgenommen werden dürfen.

Ausstattung Auto

Sofern ihr mit dem Auto ins Zielland reisen wollt, ist eine Transportbox die sicherste Variante für euch und euren Hund. Unser Bailey hat es sich angeschnallt auf der Rücksitzbank gemütlich gemacht, da die Zweibeiner den Kofferraum mit Umzugskartons vollgepackt haben.

Erlaubte Reiserouten (Flug, Auto, Autozug & Fähre)
Ja, so etwas gibt es. Grundsätzlich geht es für alle Beteiligten am schnellsten mit dem Flugzeug. Aber wenn euer Hund mehr als 5-10 kg wiegt und auch kein Assistenzhund ist, muss er im Frachtraum der Flugzeuge mitreisen. Da dies für das Haustier äußerst stressig sein kann, raten Experten im Idealfall von einem Flug mit Hund ab. Sollte die Einreise mit dem Flugzeug jedoch die einzige Möglichkeit für euch sein, sind folgende Hinweise unerlässlich:

  • Einige Fluggesellschaften fordern zusätzlich zum Heimtierausweis ein gesondertes Gesundheitszeugnis von eurem Vierbeiner an.
  • Die Transportboxen werden im Regelfall nicht von der Airline gestellt.
  • Die Transportbox muss genügend Platz zum Sitzen, Stehen, Liegen und auch Umdrehen eures Hundes haben.
  • Einige Airlines (wie z.B. Ryanair oder Easyjet) bieten das Mitführen von Hunden gar nicht erst an. 

Ab auf den Autozug und los in die neue Heimat!

Wir haben uns für die Alternative Auto und Autozug entschieden, da es mit der Fähre ein paar Stunden länger dauert und Passagiere während der Überfahrt aussteigen, wohingegen die Vierbeiner im Auto warten müssen. Das war keine Option für uns. Der Eurotunnel fährt von Calais nach Folkstone in einer halben Stunde. Das Ticket für den Zug haben wir im Voraus online gebucht, um Stress und Kosten zu sparen. Um das Tier einzuchecken, gibt es eine extra ausgewiesene “Pet Station”, hierzu einfach den Pfoten-Schildern bei der Ankunft am Bahnhof folgen.

Grundsätzlich gilt das Gleiche, wie bei jeder langen Autofahrt mit Hund und Herrchen: Plant Pausen ein, nehmt viel Trinken für Euch und euren Liebling mit, eine gute Playlist und ein paar leckere Snacks versüßen euch den Rest der Reise.

Besonders informativ ist die Eurotunnel-Webseite, welche auch eigene Checklisten zur Verfügung stellt. In der “Pet Station” wird der Hund dann vorgeführt, der Ausweis gecheckt, das Ticket bezahlt (2017 waren das 19 Pfund) und das war es auch schon. Wir haben einen Beleg für die Grenzkontrolle, sowie eine Art Plakette/Schild für das Auto erhalten.

Ebenfalls empfehlenswert:

Fahrt nachts los, damit ihr am nächsten Tag eventuell schon im anderen Land ankommt, Stau vermeidet und natürlich mit dem Vorteil, dass nachts geschlafen wird, während die Eltern in Ruhe Autofahren können. Bailey ist ein absoluter Traum-Beifahrer, daher können wir keine Tipps bei Übelkeit oder Unruhe im Auto geben.

Allgemeine Befürchtungen vor unserer Auswanderung mit Hund

In der folgenden Übersicht haben wir unsere wichtigsten, vorab entstandenen Befürchtungen und Ängste zusammengefasst und mit der späteren Realität und unseren Erfahrungen verglichen.

Was frisst Bailey in England? Hier gibt es kein Pferdefleisch zu kaufen.

Es stellte sich schnell heraus, dass sie auch super alle anderen Fleischsorten verträgt und die von unserem ersten Tierarzt diagnostizierte Unverträglichkeit falsch ist. Auch hier gibt es BARF-Shops, bei denen allerlei Fleischsorten zur Auswahl stehen.

Ist das Land wirklich so hundefreundlich wie alle sagen?

Ja und nein. Wie in Deutschland darf der Hund nicht überall mit hin. Manche Restaurants untersagen Hunde, da sie Essen offen stehen haben (z. B. Kuchen im Café). Auch einige englische Gärten und Parks sowie Strände verbieten Hunde. Im Großen und Ganzen sind hier aber viel mehr Hunde unterwegs und die Einstellung ist durchaus um einiges positiver gegenüber Vierbeinern.

Was, wenn es dort kein Hundebetreuung gibt?

Bezahlt oder nicht – eine vertrauensvolle Hundebetreuung, wenn der Mensch auf der Arbeit ist oder anderweitig unterwegs ist, ist viel wert. Das unterschreiben mir bestimmt 99% aller Hundebesitzer. In Deutschland war Bailey entweder bei einer Tagesstätte, wenn meine Mama keine Zeit hatte oder bei der Hundetante oder Freunden. Das ist hier in England nun nicht mehr möglich, da die Familie nicht mehr um die Ecke wohnt. Unsere Betreuung ist dennoch unschlagbar: Wir haben super nette Nachbarn, die mit Bailey und ihrem eigenen Border Collie nachmittags spazieren gehen und sie anschließend mit zu sich nach Hause nehmen, bis ich von der Arbeit komme. Sind wir an einem Wochenende mal in Deutschland, freuen sich die Arbeitskollegen meines Freundes auf unseren Flauschball. Unser England-Familienersatz greift uns immer unter die Arme! Sprich: Auch hier gibt es keinen Unterschied zu Deutschland. Man muss es nur in die Hand nehmen und organisieren.

Hoffentlich fühlt Bailey sich im neuen Zuhause wohl!

Umzugsstress kann sich auch auf den Hund übertragen. Das war bei uns nicht der Fall, Bailey hat alles aufmerksam begutachtet, für gut gefunden und sich toll eingelebt.

Ein neuer Tierarzt muss her!

Wir wohnen in einem kleinen Dorf, aber dennoch gibt es hier recht gute Auswahl an Tierärzten. Schließlich sind laut Studien 45% der Briten Haustierbesitzer. Das ist also definitiv kein Problem. (https://metro.co.uk/2018/04/11/national-pet-day-many-pets-uk-7457351/)

Hoffentlich finden wir ein schönes neues Zuhause, in dem Hunde erlaubt sind!

Das wiederum ist in der Tat durchaus nicht so einfach bzw. ungefähr so schwierig wie in Deutschland. Aber nicht unmöglich. Hier hilft: Einfach mal nachfragen, auch wenn die Vermittlungsanzeige “Hunde nicht erlaubt” sagt. Fragen kostet nichts. Was auch hilft: Einen Hunde-Lebenslauf mit Bild und ein paar Eckdaten gestalten!


Unser Fazit

Das Auswandern mit Hund ist heute gar nicht mehr so kompliziert, wie es mal war, sondern in Summe ein Abenteuer mit neuen Erlebnissen, Freunden und tollen Erfahrungen. Selbst wenn es bei euch nicht zum Auswandern kommt, England ist auch ein super schönes Urlaubsziel! Wir haben es bis heute nicht bereut.

Tamara Albrecht
Über den Autor Tamara Albrecht

Tamara Albrecht ist mit Vierbeiner Bailey und ihrem Zweibeiner 2017 von Stuttgart nach England (nein, nicht London) gezogen und arbeitet dort seit ihrem Bachelorabschluss in einer Kreativagentur. In der Freizeit wird das Land bereist, im Garten gewerkelt oder im Pub gesessen. Bailey ist hierbei immer am Start.

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